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Interview mit Alinghi-Syndikatspräsident Ernesto Bertarelli nach dem 5:2-Sieg im America's-Cup-Match: 2007-07-05 Ernesto Bertarelli, Syndikatspräsident von Alinghi, Defender des 33. America's Cup, äussert sich im Interview zur 32. Austragung. ( Foto: Ivo Rovira/Alinghi)
Ernesto Bertarelli, worin besteht die Faszination und der Zauber des America's Cup?
"Der America's Cup ist die älteste Trophäe im Sport. Er vereint
Teamwork, Technologie und die Unberechenbarkeit der Elemente wie Meer
und Wind. Das macht für mich die Faszination aus."
Weshalb wurde das Format für den 32. America’s Cup abgeändert?
"Mit dem neuen Format versuchen wir die Teams zwischen den
Ausgaben «am Leben zu erhalten». Es ging uns darum, sicherzustellen,
dass alle auf dem Laufenden bleiben, nicht nur, was das effektive
Segeln angeht, sondern auch punkto Kommunikation. Wir wollten die
Leidenschaft, mit der wir diesen Sport betreiben, auch kontinuierlich
kommunizieren. Wir wollten die Möglichkeit schaffen, zu reisen, andere
Orte zu besuchen und möglichst vielen Leuten hautnah zu zeigen, wie
wunderbar das Segeln ist."
Wie erfolgreich waren die Acts?
"Die Acts waren ein entscheidender Faktor für den Erfolg des 32.
America's Cup. Sie waren eine gute Möglichkeit, den Event zu promoten
und den Cup an verschiedenen Orten in Europa zu präsentieren. Zudem
konnten wir so das Niveau innerhalb des Teams steigern und auch die
Konkurrenz auf den Standard bringen, den wir für den Match hatten. Ich
glaube nicht, dass Alinghi und Emirates Team New Zealand so eng
beieinander gelegen hätten, wenn wir nicht
in den Acts gesegelt und mehrmals gegeneinander angetreten wären.
Ich denke, genau deshalb kam es am Schluss zu einem derart umkämpften
Finale."
Weshalb haben Sie Valencia als Austragungsort gewählt?
"Auch Valencia hat entscheidend zum Erfolg dieses America's Cup
beigetragen. Spanien hat sich hier von seiner besten Seite gezeigt,
indem die Leute unsere grosse Vision für den Sport teilten. Sie haben
uns einen fantastischen Austragungsort geschaffen, mit einer
wunderbaren Infrastruktur aber auch mit einem spannenden Rennkurs. Die
Spanier haben selbst teilgenommen, sie haben sich in diesen Sport
verliebt und uns während der ganzen Zeit nach Kräften unterstützt."
Was sagen Sie zur Veränderung, die Valencia seit 2003 durchgemacht hat?
"Als wir das erste Mal hierher kamen, sahen wir einen rohen Stein
ohne Form und Glanz. Über die Jahre wurde dieser Stein geschliffen und
poliert und ein echtes Juwel kam zum Vorschein. Ein Stein, das sich
während des abschliessenden Matchs als strahlender Brillant
präsentierte."
Zu welchem Zeitpunkt haben Sie realisiert, dass Alinghi den Herausforderern voraus ist?
"Irgendwie hat uns Act 13 ein wenig irregeführt. Es stimmt, wir
haben Act 13 mit SUI91 dominiert und wussten, dass SUI100 schneller ist
als SUI91. Wir haben uns dadurch ein wenig zu sicher gefühlt und waren
schon sehr überrascht, als Emirates Team New Zealand im Match so
schnell und stark war. Wir brauchten einige Rennen, um uns zu fangen
und auf dem Rennkurs das Beste aus uns herauszuholen und letztlich zu
gewinnen."
Wie beurteilen Sie die Leistung der Herausforderer im Louis Vuitton Cup im Vergleich zur letzten Kampagne?
"Die Herausforderer waren viel stärker als letztes Mal. Das zeigte
sich nicht unbedingt im Ranking, denn viele der guten Teams fielen
schon nach der Round Robin aus dem Wettbewerb. Ich denke da vor allem
an Mascalzone Latino-Capitalia Team, die wohl heute noch eines der
schnellsten Boote der ganzen Flotte besitzen. Sie haben es aber nicht
in die Halbfinals geschafft. Viele waren in den Halbfinals wohl
überrascht, wie schwierig der Rennkurs war und wie schwierig es deshalb
wurde, zu gewinnen, eine Führung zu
verteidigen oder einen Konkurrenten zu überholen. Zuletzt zeigte
es sich dann im Match, dass man für den Erfolg nicht nur ein schnelles
Boot brauchte, sondern auch eine erstklassige Taktik."
Gab es im Louis Vuitton Cup ein Resultat, mit dem Sie nicht gerechnet hätten?
"Ich war sehr überrascht vom Abschneiden der Spanier. Sie hatten
eine äusserst erfolgreiche Kampagne. Meiner Meinung nach haben sie hier
alles erreicht, was sie erreichen wollten und sie werden auch in
Zukunft ein sehr starkes Team bilden. Die drei grossen Teams waren da
und haben hart gekämpft. Ein Match, das unvergessen bleibt, ist
dasjenige zwischen Luna Rossa und BMW Oracle, das unabhängig vom
Resultat wirklich zeigte, wie schwierig es ist, in Valencia zu
regattieren."
Was ist schwieriger: herausfordern oder verteidigen?
"Es ist sehr viel schwieriger, zu verteidigen. Wenn man als
Titelverteidiger den Match verliert, hat man gar nichts, sondern
verliert alles."
Ist eine erfolgreiche Titelverteidigung reizvoller als die erfolgreiche Herausforderung?
"Für mich ist die Verteidigung des America's Cup hier in Europa
klar befriedigender als der Sieg beim letzten Mal. Vielleicht, weil
dieser Sieg jetzt noch ganz frisch ist, aber wohl auch, weil wir uns
den Sieg dieses Mal viel härter erkämpfen mussten."
Wie unterscheidet sich der aktuelle Sieg vom Sieg von 2003?
"Der Sieg 2003 war wie ein Märchen, alles lief perfekt für uns; es
gab noch nie einen derart lockeren und problemlosen Sieg eines
Herausforderers im America's Cup. Ein Traum wurde wahr. Dieses Mal
mussten wir uns den Sieg hart erkämpfen. Es war harte Arbeit und
forderte während der letzten Jahre vom ganzen Team vollen Einsatz und Konzentration."
Wie bewerten Sie Alinghis Leistung?
"Alinghis Leistung war beeindruckend, vor allem als das Team 1:2
im Rückstand lag. Wir vertrauten auf unsere Stärken und liessen uns
nicht beirren. Ich bin überzeugt, dass wir das deutlich schnellste Boot
hatten, der Unterschied war sogar grösser als viele glauben. Wir
mussten aber den Rennkurs gut segeln und ein sehr hartnäckiges Emirates
Team New Zealand besiegen."
Welches ist ihre schönste Erinnerung an diesen 32. America's Cup?
"Es ist wohl noch zu früh, das zu sagen, aber jedes Rennen des
America's Cup war einzigartig. Vielleicht ist es der Moment nach dem
dritten Rennen, als ich wusste, dass wir eine echte Chance hatten, zu
gewinnen. Wir haben das Rennen zwar verloren, aber
irgendwie fühlte ich mich danach stärker und wusste, dass wir den Cup erneut gewinnen würden."
Wodurch unterscheidet sich Alinghi von anderen Teams?
"Um das herauszufinden, muss man Alinghi selbst erlebt haben. Es
ist ein Team mit einem sehr vielfältigen Charakter, es baut auf den
verschiedenen Erfahrungen und Kompetenzen seiner Abteilungen, seiner
Techniker, Ingenieure und Segler auf. Es ist eine Verschmelzung von
Individuen, die sehr starke Wertvorstellungen haben und alle eine
gemeinsame Leidenschaft für den Sport und eine Vision über die Zukunft
dieses Sports teilen."
Wie werden die Formel 1 und der America’s Cup zusammenarbeiten, wenn Valencia wieder als Austragungsort gewählt wird?
"Die zwei Sportarten sind sich in gewisser Weise sehr ähnlich.
Beide sind sehr technisch. Wir nutzen den Wind, sie brauchen für ihre
Power Benzin, in diesem Bereich unterscheiden wir uns also. In beiden
Sportarten ist der Erfolg ein Resultat aus der Verbindung der Expertise
und Kompetenz einer ganzen Gruppe von Leuten und ich denke, es sind
zwei Sportarten, die sehr gut zusammen passen."
Wie wird die Auswahl des Austragungsortes vor sich gehen?
"Das Auswahlprozedere hat bereits begonnen; wir prüfen unsere
Optionen sorgfältig und werden uns für den Ort entscheiden, der uns für
das nächste Mal den bestmöglichen Event garantieren kann."
Wie sieht die Zukunft von Alinghi aus?
"Ich denke, wir haben hervorragende Perspektiven. Wir haben den
America's Cup gewonnen, wir können uns für das Team nichts Besseres
wünschen. Das Team ist sehr kompakt und solid und wir haben eine
Zukunft, das ist sicher."
Quelle Alinghi 06-07-2007 |
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